Entsendung

Entsandt beschäftigt? Sie haben Rechte!

Sie gelten als entsandt beschäftigt, wenn Ihr Arbeitgeber Sie zum Arbeiten für eine begrenzte Zeit in ein anderes EU-Land (z.B. Deutschland) schickt.

Dann gelten für Sie die EU-Regelungen zur Entsendung von Arbeitskräften.

Welches Arbeitsrecht gilt?

Für Sie gilt das Arbeitsrecht Ihres Heimatlandes. Allerdings gelten für entsandte Beschäftigte die folgenden Bestimmungen des deutschen Arbeitsrechts:

  • Höchstarbeitszeit: Ihre Arbeitszeit darf pro Arbeitstag maximal 8 Stunden bzw. pro Arbeitswoche 48 Stunden betragen. 10 Stunden/Tag sind nur erlaubt, wenn Sie innerhalb eines halben Jahres im Durchschnitt nicht mehr als 8 Stunden/Tag arbeiten. Sie haben das Recht auf eine Pause: Mindestens 30 Minuten, wenn Sie zwischen 6 und 9 Stunden arbeiten und mindestens 45 Minuten, wenn Sie mehr als 9 Stunden arbeiten

  • Mindestruhezeit: Nach Beendigung Ihrer Arbeit müssen Sie mindestens 11 Stunden (in Ausnahmefällen 10 Stunden) Ruhezeit zur Verfügung haben, bevor Sie wieder arbeiten müssen.

  • Mindesturlaub: Sie haben Anspruch auf bezahlten Urlaub: Mindestens 20 Tage im Jahr, wenn Sie 5 Tage die Woche arbeiten und mindestens 24 Tage im Jahr, wenn Sie 6 Tage die Woche arbeiten.

  • Mutterschutz: Während der Schwangerschaft sind Sie geschützt vor einer Kündigung. Im Zeitraum von 6 Wochen vor bis 8 Wochen nach der Geburt dürfen Sie als Schwangere nicht arbeiten.

  • Sicherheit am Arbeitsplatz: Auch für Ihren Arbeitsplatz gelten Vorschriften, die der Arbeitgeber einzuhalten hat, um die Sicherheit und Hygiene bei der Arbeit zu gewährleisten.

  • Diskriminierungsverbot: Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass Beschäftigte nicht diskriminiert werden. Zum Beispiel dürfen Männer und Frauen nicht ungleich behandelt werden.

  • Mindestlohn: Auch für Sie gelten in Deutschland verbindliche Branchenmindestlöhne! Fragen Sie die Gewerkschaft! Wenn für Sie kein Branchenmindestlohn gilt und auch kein Tarifvertrag angewandt wird, gilt für Sie auf jeden Fall der gesetzliche Mindest­lohn von derzeit 8,84 Euro brutto.

Wo bin ich versichert?

Sie bleiben bis zu 24 Monate in Ihrem Heimatland sozialversichert. Das müssen Sie in Deutschland mit der A1-Bescheinigung nachweisen, die Ihnen von der Sozialversicherung Ihres Heimatlandes ausgestellt wird. Somit verbleiben Sie in der Krankenversicherung Ihres Heimatlandes. In Deutschland gehen Sie mit der Europäischen Krankenversicherungskarte zum Arzt.

Beachten Sie: Werden Sie mindestens ein Jahr entsandt, können Sie bei einer deutschen Krankenkasse eine deutsche Versicherungskarte beantragen. Dafür brauchen Sie ein spezielles Formular Ihres Heimatlandes (S1). Nur dann erhalten Sie die vollen Gesundheitsleistungen in Deutschland.

Achtung: Weiterführende Informationen zum Thema Sozialversicherung bei Entsendung finden Sie auf der Website des Zolls (auf Deutsch, Englisch und Französisch):

       http://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Arbeit/Sozialversicherung/Sozialversicherung-bei-grenzueberschreitenden-Arbeitseinsatz/Regelungen-innerhalb-EU/regelungen-innerhalb-eu_node.html

 

Korrekte Entsendung?

Ob tatsächlich eine korrekte Entsendung vorliegt ist fraglich, wenn

•          Sie keine gültige A1-Bescheinigung besitzen.

•          Sie erst in Deutschland für den Job angeworben und angestellt wurden.

•          Ihre Firma im Herkunftsland nicht tätig ist (Briefkastenfirma).

 

Wenn Sie Zweifel haben, fragen Sie in einer Beratungsstelle oder einer Gewerkschaft um Rat.

 

Vor der Abreise nach Deutschland

  • Klären Sie

...gibt es einen schriftlichen Arbeitsvertrag und eine schriftliche Vereinbarung zur Entsendung?

...wissen Sie, wo Sie wohnen werden? Wird die Unterkunft vom Arbeitgeber finanziert? Steht dies im Vertrag?

...wo werden Sie arbeiten? Wie heißt der Einsatzbetrieb in Deutschland?

...welchen Lohn werden Sie erhalten? Und entspricht dieser dem Mindestlohn?

  • Besorgen Sie

...das Formular A1

...die Europäische Krankenversicherungskarte

...bei langfristiger Entsendung das Formular S1

Zum Arbeiten in Deutschland benötigen Sie als EU-Bürger/in oder als Person mit Wohnsitz in einem EU-Mitgliedstaat keine Arbeitserlaubnis.

Nach der Ankunft in Deutschland

Melden Sie einen Wohnsitz bei der Stadtverwaltung an. Machen Sie dies selbst und überlassen Sie es nicht dem Arbeitgeber!

Bei langfristiger Entsendung (länger als 1 Jahr): Beantragen Sie eine Versicherungskarte bei einer deutschen Krankenkasse.

Notieren Sie Ihre tägliche Arbeitszeit. Fragen Sie Ihre Kollegen nach Kontaktdaten (Adresse und Telefonnummer). Ohne diese Informationen wird es schwer, im Konfliktfall Ihr Recht durchzusetzen!

Sie können Ihren Lohn vor einem deutschen Gericht einklagen, auch wenn Ihr Arbeitgeber seinen Sitz im Ausland hat! Wenn es zu Unregelmäßigkeiten bei Ihrer Lohnzahlung kommt, fragen Sie rechtzeitig vor der Abreise aus Deutschland um Hilfe bei einer Beratungsstelle oder der zuständigen Gewerkschaft.

 

Stand: August 2017

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