Arbeit im Schlachthof

Deine Rechte in der Fleischindustrie in Deutschland

Sind Sie zufrieden mit Ihren Arbeitsbedingungen?

Um die Löhne niedrig zu halten, werden in den Schlachthöfen häufig Aufträge an deutsche oder ausländische Subunternehmen vergeben.

 

Aber: Aber: Für jedes Arbeitsverhältnis gelten bestimmte Regeln und Gesetze– egal ob Sie bei einem Subunternehmen arbeiten oder der Sitz Ihres Arbeitgebers im Ausland ist.

 

Wie lange arbeiten Sie?

Laut Gesetz

… darf die tägliche Höchstarbeitszeit von 10 Stunden bzw. 48 Stunden/Woche nicht überschritten werden,

… haben Sie nach spätestens 6 Stunden Arbeit Recht auf eine Pause,

… darf die Pause nur für Ihre Erholung genutzt werden.

 

Wie sind die Bedingungen in Ihrer Unterkunft?

Ihre Unterkunft darf nicht unangemessen teuer sein. Vielerorts gibt es Bestimmungen darüber, wie viele Menschen gemeinsam untergebracht sein dürfen und wie groß die Wohnfläche sein muss. Auch gibt es Regeln für die Anzahl der Duschen, Toiletten, Kochplätze usw. pro Wohnung.

Wenn Ihnen gedroht wird, dass Ihre Unterkunft gekündigt oder gar gewaltsam geräumt werden soll, wenden Sie sich schnell an eine Beratungsstelle

 

Werden Sie gerecht bezahlt?

Festangestellte und ausgebildete Fleischerinnen bzw. Fleischer verdienen in Deutschland durchschnittlich 15 Euro (brutto) pro Stunde – Subunternehmen zahlen deutlich weniger. In Deutschland werden die Arbeitsbedingungen – z. B. der Lohn, Zuschläge oder Prämien – über Tarifverträge geregelt. Ob für Ihr Arbeitsverhältnis ein Tarifvertrag gilt, erfahren Sie bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

 

Der Mindestlohn in der Fleischbranche beträgt

... ab 1.01.2019 – mindestens 9,19 Euro brutto/Stunde oder mehr.

 

Falls Sie Leiharbeiterin oder Leiharbeiter sind, haben Sie Anspruch auf

... 9,49 Euro (brutto) pro Stunde in ganz Deutschland (ab 1.1.2019).

 

Informieren Sie sich bei der Gewerkschaft NGG, auf welchen Mindest- lohn Sie ab 2018 Anspruch haben!

Der Stundenlohn muss für jede tatsächlich geleistete Stunde bezahlt werden, inklusive Überstunden. Schreiben Sie Ihre Arbeitszeiten immer auf! Im Streitfall werden Sie diese Aufzeichnungen brauchen!

Das höchste deutsche Arbeitsgericht hat kürzlich klargestellt

... Sobald eine Hygiene- oder Schutzkleidung vorgeschrieben ist und Sie sich im Betrieb umziehen müssen, ist die Umkleidezeit Arbeitszeit und muss bezahlt werden!

... Auch Wegezeiten innerhalb der Fabrik, z. B. aus der Umkleidekabine zum Fließband, gehören zur Arbeitszeit und müssen bezahlt werden. Ebenso wie vorbereitende Tätigkeiten wie z. B. das Schärfen der Messer.

... Die Reinigung der Arbeitskleidung ist Aufgabe des Arbeitgebers. Er darf die Reinigungskosten nicht von Ihrem Lohn abziehen!

Laut Gesetz muss Ihnen Ihr Arbeitgeber Ihre Arbeits-, Schutz- oder Hygienekleidung sowie Ihre Ausrüstung (Messer, Handschuhe usw.) zur Verfügung stellen. Sollte er jedoch von Ihnen Geld dafür nehmen, können Sie es zurückfordern!

 

Wurde Ihnen Arbeitsstunden geklaut oder gab es illegale Abzüge von Ihrem Lohn?

Dann suchen Sie zeitnah eine Beratungsstelle auf. Wir unterstützen Sie kostenlos dabei, für Ihre Rechte zu kämpfen. Auch wenn Ihr Arbeitsverhältnis inzwischen beendet ist.

Wichtig: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Ihnen einen schriftlichen Arbeitsvertrag und jeden Monat eine schriftliche Lohnabrechnung zu geben. Unterschreiben Sie keine Dokumente, die Sie nicht verstehen!

Hat Ihr Arbeitgeber Ihnen (mündlich, fristlos) gekündigt?

Kündigungen müssen immer schriftlich erfolgen. Außerdem muss eine Kündigungsfrist eingehalten werden. Eine fristlose Kündigung kann negative Auswirkungen auf Ihren Arbeitslosengeldanspruch haben. Sie müssen die Kündigung nicht unterschreiben!

Wenden Sie sich umgehend an eine Beratungsstelle, wenn Sie eine Kündigung erhalten haben!

 

 

Kennen Sie Ihre Chancen, einen Ausbildungsplatz oder eine Festanstellung bei einem deutschen Unternehmen zu bekommen?

Viele Schlachthöfe suchen heute qualifiziertes Personal. Eine Festanstellung bietet Ihnen nicht selten bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen und eine bessere Integrationsperspektive.

 

 

Stand: Januar 2019