Landwirtschaft

Informationen für Beschäftigte, die aus dem Ausland kommen und in der Landwirtschaft arbeiten

Entlohnung in der Landwirtschaft

Beschäftigte in der Landwirtschaft seit 1. Januar 2017 mindestens 8,60 € brutto pro Stunde und ab dem 1. November 2017 mindestens 9,10 € brutto pro Stunde.

Diese Löhne gelten auch für aus dem Ausland entsandte Beschäftigte, egal in welchem Land ihr Arbeitgeber seinen Sitz hat.

Akkord- und Stücklohn

Stück- und Akkordlöhne sind zulässig. Es muss allerdings gewährleistet sein, dass Sie für jede Arbeitsstunde den oben genannten Mindestlohn pro Stunde erhalten.

Arbeitsvertrag

Fragen Sie Ihren Arbeitgeber nach einem schriftlichen Arbeitsvertrag. Der Arbeitsvertrag muss Ihnen ausgehändigt werden, allerdings nicht in einer Sprache, die Sie verstehen. Fragen Sie trotzdem danach und unterschreiben nichts, was sie nicht verstehen.

Laut Gesetz soll ein Arbeitsvertrag enthalten:

  • Name und Anschrift von Ihnen und Ihrem Arbeitgeber

  • Beginn und vorhersehbare Dauer des Arbeitsverhältnisses

  • Arbeitsort

  • Beschreibung der Tätigkeiten

  • Höhe des Arbeitslohnes sowie ggf. Zuschläge und deren Fälligkeit

  • Vereinbarte Arbeitszeit

  • Dauer des Erholungsurlaubes

  • Fristen für die Kündigung des Arbeitsverhältnisses

  • Hinweis auf geltende Tarifverträge

Dokumentation der Arbeitszeit

Notieren Sie jeden Tag den Beginn, das Ende und die Dauer der Arbeitszeit, einschließlich der Pausen. Notieren Sie Namen von Zeugen. Lassen Sie sich Ihre Liste wenn möglich von einem Vorarbeiter oder zumindest einem Kollegen per Unterschrift bestätigen.

Bei Akkordlohn: Machen Sie Aufzeichnungen über die abgegebenen Kisten oder Mengen.

Wann ist der Lohn zu zahlen?

Beispiel: Stundenzettel

Der Lohn ist auf einer Lohnabrechnung zu dokumentieren. Er muss spätestens am Ende des Folgemonats, in dem die Arbeit geleistet wurde, gezahlt werden. Alle tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden müssen dann ausgezahlt werden.

Sollte Sie mit dem Arbeitgeber vereinbart haben, dass der gesamte Lohn erst am Ende der Saisonarbeit ausgezahlt wird, dann verlangen Sie wöchentlich oder monatlich Zwischenabrechnungen.

Überstunden

Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit in der Landwirtschaft beträgt 40 Stunden. Überstunden sind in der Landwirtschaft zulässig. Sie können im Rahmen von tariflichen Arbeitszeitkonten ausgeglichen werden. Alle tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden – also auch Überstunden – müssen bezahlt werden.

Die Zeit, um zwei hintereinander liegende Einsatzorte zu erreichen, gilt als Arbeitszeit und muss bezahlt werden.

Im Streitfall

Bezahlt der Arbeitgeber keine Überstunden, müssen Sie beweisen, dass der Arbeitgeber die Überstunden angeordnet, gebilligt oder geduldet hat. Auch aus diesem Grund: Dokumentieren Sie Ihre Stunden schriftlich und lassen Sie einen Zeugen unterschreiben.

Unterkunft und Verpflegung

Machen Sie Fotos von Ihrer Unterkunft, wenn diese nicht den Vereinbarungen entspricht!

Wenn Sie die Verpflegung und Unterkunft von einem Dritten bekommen, sollte Ihnen ein Miet- oder Dienstleistungsvertrag zur Unterschrift vorgelegt werden. Wenn Sie keine Verträge bekommen, fragen Sie unbedingt nach, wie viel Geld Ihnen am Ende der Saison für Unterkunft und Verpflegung berechnet wird.

Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen Verpflegung und Unterkunft stellt und vom Lohn abzieht, muss dies auf der Lohnabrechnung nachvollziehbar erscheinen.

Achtung: Erst wenn Ihr Lohn über der so genannten Pfändungsgrenze liegt, können die Kosten für Verpflegung und Unterkunft direkt mit dem Lohn verrechnet werden. Die Pfändungsgrenze hängt von der Anzahl der Personen ab, für die Sie Unterhalt bezahlen müssen.

Beispiel 1: Sie sind alleinstehend und haben keine Kinder. Bis zu einem Nettoeinkommen von 1.089,99 €* darf Ihnen nichts abgezogen werden.

Beispiel 2: Sie sind verheiratet, haben zwei Kinder und kommen somit für den Unterhalt von drei weiteren Personen auf. Bis zu einem Nettoeinkommen von 1.939,99 €* darf Ihnen nichts abgezogen werden. Erst wenn das Nettoeinkommen über dieser Grenze liegt, kann der Arbeitgeber Kosten für Verpflegung und Unterkunft berechnen.

Für die Verpflegung können im Jahr 2017* maximal folgende Beträge angerechnet werden:

Berechnet nach Monat: Für Frühstück 50,00 €*, für Mittagessen 93,00 € und für Abendessen 93,00 €*. Dies ergibt insgesamt einen Betrag von maximal 241,00 € im Monat.

Berechnet nach Tagen: Für Frühstück 1,70 €, für Mittagessen 3,17 € und für Abendessen 3,17 €. Dies ergibt insgesamt einen Tagessatz von maximal 8,04 €.

Für die Unterkunft dürfen maximal 223,00 € im Monat berechnet werden. Dies ist jedoch nach Art der Unterkunft zu differenzieren.

* Diese Angaben können sich in Folgejahren minimal ändern.

Schutzausrüstung, Arbeitsgeräte und Wasser

Alle Arbeitsgeräte und die persönliche Schutzausrüstung muss der Arbeitgeber Ihnen kostenlos zur Verfügung stellen. Dazu gehören arbeitsgerechte Handschuhe sowie Sonnen- und Regenschutz. Außerdem muss Ihnen bei Arbeit in Hitze ausreichend Wasser bereitgestellt werden.

Achten Sie bei der ersten monatlichen Lohnabrechnung darauf, dass Ihnen dafür nichts in Rechnung gestellt wird.

Krankenversicherung

Wenn Sie in Deutschland pro Jahr weniger als 71 Tage arbeiten und die Arbeit nicht berufsmäßig ausüben, gelten Sie als kurzfristig beschäftigt. Wenn Sie gleichzeitig in Ihrem Heimatland sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, müssen Sie dies mit einer A1 Bescheinigung nachweisen. Damit sind sie auch für die ersten 70 Tage krankenversichert, die Sie in Deutschland arbeiten. Wenn Sie keine A1 Bescheinigung haben, sind Sie vom Arbeitgeber nur gegen Arbeitsunfälle versichert. Stellen Sie sicher, dass Sie zusätzlich eine in Deutschland gültige Versicherung für den Krankheitsfall haben.

Wenn Sie Ihren Einsatz über 70 Tage hinaus verlängern wollen, muss Sie Ihr Arbeitgeber bei der deutschen Sozialversicherung anmelden.

Wir empfehlen: Werden Sie vom ersten Arbeitstag in Deutschland Gewerkschaftsmitglied! Kontaktieren Sie Ihre zuständige Gewerkschaft. Fragen Sie im Zweifel eine Beratungsstelle. Sind Sie in Ihrem Heimatland Gewerkschaftsmitglied, fragen Sie Ihre zuständige deutsche Gewerkschaft, ob Ihre Mitgliedschaft anerkannt wird.

 

Stand: Februar 2017